Leitartikel November 2022

1405-Männerschiff (99) (Foto: Frank Lehmann)

Liebe Leserinnen und Leser,
kürzlich lasen wir im Hauskreis den achten Psalm. Er beginnt und endet mit einem Lobpreis: Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen! Oder, anders formuliert: Herr, unser Herrscher, gross ist dein Ruhm auf der ganzen Erde. Und dann staunt der Psalmschreiber darüber, wie Gott alles so schön gemacht hat, er bewundert Mond und Sterne, das Werk von Gottes Fingern. Und er staunt auch darüber, dass Gott sich für den Menschen interessiert und ihm Macht gegeben hat. Davon lesen wir schon im ersten Buch Mose: Gott setzte den Menschen in den Garten, damit er ihn bebaue und bewahre.
Zurück zum Psalm. Der Vers, der uns diskutieren liess, ist der fünfte: Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
Ja, was ist es, das wir haben, was Gottes Interesse weckt? Ist es unser Aussehen? Unser Talent? Unsere schönen Worte?
Wir sind aus Staub gemacht. Aus Erde hat Gott Adam geformt. Nicht sehr attraktiv. Aber: Gott hat Adam seinen Geist eingehaucht. Das ist es, was uns die Würde gibt, die wir haben: Wir haben Gottes Geist in uns. So hat uns Gott mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt, wie es in den nachfolgenden Versen heisst. Es ist nicht unser Können, das uns unsere Würde gibt. Denn Können vergeht – Krankheit, Alter oder Schwäche hindern uns an vielem, was wir als Kinder noch tun konnten. Aber Gottes Geist vergeht nicht. Auch wenn wir krank, schwach oder alt sind, haben wir seinen lebensspendenden Geist in uns. Und dieser Geist ist auch das, was uns vom Rest der Schöpfung unterscheidet. Was uns Würde gibt. Und Verantwortung. Verantwortung für die Schöpfung, für den Mitmensch, für uns selber – und für unsere Beziehung mit Gott.
Lasst uns Gott eine Antwort geben auf die Würde, die er uns schenkt.

Sarah Fakhoury, Sozialdiakonin

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