Leitartikel Oktober 2026

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Ein literarischer Wegweiser
Darf ich Ihnen heute einen berühmten Basler vorstellen? In diesem Jahr jährt sich der Todestag des Pfarrers, Lehrers und Dichters Johann Peter Hebel (1760-1826) zum 200. Mal. Die Ältere Generation kennt ihn sicher noch aus dem Lesebuch in der Primarschule. Seine pfiffige Geschichte vom Herrn «Kannitverstan» hat unzählige Schulkinder bei ihren ersten Leseversuchen zum Schmunzeln gebracht.
Doch Hebel hat auch in seinen Predigten und Gedichten eine Sprache gefunden, die ganz nahe bei den Menschen war. Er, der als Pfarrer vor Allem im Süddeutschen Raum gewirkt hat, hat im Allemannischen Dialekt seine eigene Herzenssprache gefunden. Ein Gedicht aus seiner Feder begleitet mich schon lange Zeit. Besonders die letzten drei Verse seines Gedichts «der Wegweiser» haben es mir angetan.
Und wenn de amme Chrüzweg stohsch,
und nümme weisch, wo’s ane goht,
halt still, und frog di G’wisse z’erst,
’s cha dütsch, Gottlob, und folg si’m Roth.

Wo mag der Weg zum Chilchhof sy?
Was frogsch no lang? Gang, wo de witt!
Zuem stille Grab im chüele Grund
führt jede Weg, und ’s fehlt si nit.

Doch wandle du in Gottis-Furcht!
i roth der, was i rothe cha.
Sel Plätzli het e gheimi Thür,
und’s sin noch Sachen ehne dra.

Hier gelingt einem Dichter (und Prediger) die grosse Kunst, von den ganz gewichtigen Dingen in einfacher Sprache zu reden. Jedes Mal, wenn ich mit Angehörigen auf dem Friedhof stehe und Abschied nehme gehen mir die letzten beiden Zeilen aus Hebels Gedicht durch den Kopf. Gott sei Dank, «s sin noch Sachen ehne dra».



Emanuel Memminger, Pfarrer
Bereitgestellt: 01.10.2026     Besuche: 18 Monat   Verantwortlich für diese Seite: Cornelia Erne Fässler