Leitartikel Januar 2026

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Raus aus dem Januarloch!
Kennen Sie das? Die Feiertage sind vorbei, der Christbaum wurde bereits zur Entsorgungsstelle gebracht und auch die letzten, langsam staubtrockenen Weihnachtsguetzli sind entweder gegessen oder mit schlechtem Gewissen im Mistkübel entsorgt worden. Und auch die guten Vorsätze zum neuen Jahr – falls ich denn überhaupt welche gemacht habe – sind bereits symbolisch auf dem Altpapierstapel abgelegt worden. Einzig die über die Festtage angefutterten Kilos wollen trotz Diätversuchen einfach nicht von der Anzeige der Waage weichen.
Und über all dies legt sich wie ein dunkler Schleier der trübe, immer gleiche Winteralltag. Januarloch – was für ein treffendes Wort für diesen Gefühlszustand. Das alles lässt sich natürlich irgendwann überwinden. Spätestens im Frühling, wenn die ersten Blumen wieder spriessen, wird es wieder besser. Doch manchmal legt das Schicksal noch einen drauf in diesen trüben Tagen. Eine plötzliche Krankheit, der Zerbruch einer Beziehung oder der Tod eines lieben Menschen - mit einem Mal ist das Januarloch so gross, dass ich den Weg hinaus nicht mehr alleine finde.
Eine Erfahrung die, wie die Bibel erzählt, selbst vor einem König nicht halt macht. In Psalm 40, der dem grossen Dichterkönig David zugeschrieben wird, lese ich: «Er zog mich herauf aus der Grube des Grauens, aus Morast und Schlamm, und stellte meine Füsse auf Felsgrund, machte meine Schritte fest.» (Psalm 40, 3, Zürcher Bibel)
Selbst einer der ganz Grossen der Bibel kommt hier alleine nicht mehr aus seinem Loch. Doch genau in diesem Moment spürt er eine unsichtbare Hand, die ihn hält und wieder Tritt fassen lässt. Gott ist da, gerade dann, wenn die Nacht am dunkelsten ist. Also, raus aus dem Januarloch und am Besten mit Gottes Hilfe!


Bildlegende: Cueva de los Verdes, Lanzarote (Bild: Emanuel Memminger)



Emanuel Memminger, Pfarrer

Bereitgestellt: 01.01.2026     Besuche: 25 Monat   Verantwortlich für diese Seite: Cornelia Erne Fässler